Kaffee aus Honduras

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Seit mehr als 4 Jahren arbeiten wir nun schon mit den Kooperativen aus Marcala in Honduras zusammen. Bei unseren jährlichen Besuchen werden wir mittlerweile wie gute Freunde empfangen und es macht Spaß zu hören und zu sehen, was innerhalb eines Jahres alles passiert ist. Den Großteil der Zeit verbringen wir bei der Frauenkooperative Aprolma und bei Combrifol.

Die Kaffee-Kooperative Combrifol

Bei den Besuchen fährt man immer auch in die Berge und besucht die Fincas von einzelnen ProduzentInnen. In diesem Jahr hat uns ein Produzent von Combrifol besonders beeindruckt. Der 25-jährige David Emanuel Argueta lebt mit seiner Frau, zwei Geschwistern und seiner Mutter auf der wunderschönen Finca „El Guachipilin“. Erst vor kurzem ist er zum ersten Mal Vater geworden.

Seine Finca befindet sich in der äußerst abgelegenen Nahuaterique-Region, einem Landstrich, der von der honduranischen Regierung gerne vergessen wird, gehörte dieser doch bis in die 90er Jahre zu El Salvador (mehr dazu in diesem lesenswerten Artikel der BBC). Daher gibt es hier auch kaum Infrastruktur, kein Trinkwassernetz und keinen Strom. Elektrizität wird mit einem Solarpanel auf dem Dach erzeugt und Wasser in einem Tank gesammelt. Der Zugang über eine holprige Piste ist nur möglich, wenn das Wetter gut ist. Während der Regenzeit wird dieser Weg unpassierbar und es gibt nur noch die Möglichkeit viele Kilometer zu laufen.

El Salvador ist aber zum Greifen nahe und daher sind David und seine Geschwister auch dort zur Schule gegangen und besitzen auch die doppelte Staatsbürgerschaft. Auf seiner Finca baut er alles an, was zur Selbstversorgung reicht: Mais, Yuca, Zuckerrohr, Bohnen, es gibt Hühner, Kühe und viele Bienen.  Den hauseigenen Honig und Käse durften wir auch sofort probieren – der beste Käse auf der gesamten Reise in diesem Jahr.

David ist seit 2014 Mitglied bei Combrifol und hat sich auf seiner Finca alles gebaut, was er braucht, um einen hervorragenden Kaffee zu produzieren:

  • Er hat ein eigenes kleines Beneficio, um den Kaffee zu entpuplen, zu fermentieren und zu waschen.
  • Er hat ein Zelt mit Trockenbetten, um den Kaffee gut zu trocknen.
  • Außerdem sind seine Kaffeefelder in tadellosem Zustand und er hat von seinem Großvater einige sehr alte interessante Varietäten, wie Typica und Bourbon übernommen.

Am Tag nach dem Besuch bei ihm haben wir seinen Kaffee gecupped (blind) und er hat hervorragende 85 Punkte erreicht. Nach einem gemeinsamen Mittagessen haben wir uns verabschiedet, aber ich bin mir sicher, dass wir von diesem Produzent noch viel hören werden.

Die Kaffee-Kooperative Aprolma

Die Zusammenarbeit mit der Frauenkooperative Aprolma liegt uns immer sehr am Herzen: In einem der gefährlichsten Ländern der Welt ist insbesondere für Frauen der Alltag alles andere als sicher. Daher ist auch häusliche Gewalt ein Thema mit dem sich die Kooperative – bestehend aus 69 Frauen – viel beschäftigt. Frauen werden über ihre Rechte aufgeklärt, weil viele gar nicht wissen, dass und wie sie sich wehren können. Unter den älteren Mitgliedern gibt es einige, die nicht Lesen und Schreiben können. Außerdem zahlt Aprolma einmal jährlich einen Check-Up beim Gynokologen und ist sehr umtriebig, wenn es darum geht das Beste für die Mitglieder zu erreichen.

Doch mal abgesehen vom sozialen Engagement, gelingt es den Frauen auch einen ausgezeichneten Kaffee zu produzieren. In diesem Jahr haben wir einige äußerst interessante Kaffees probiert. Unter anderem war auf dem Cuppingtisch der Parainema von Loly Espinoza, den wir als Pezcadito-Microlot bei uns haben. Dieses Mal in einer anderen Aufbereitung, nämlich als natural. Das heißt, dass die Kaffeebohnen nach dem Ernten direkt in bzw. mit der Kaffeekische getrocknet werden. In dieser Aufbereitung war er supersüß, cremig, schokoladig und eine reine Fruchtbombe und wir konnten satte 86 Punkte auf der Qualitätsskala vergeben. Wir können es kaum erwarten dieses Juwel in Berlin zu haben.

Der Kaffee, den wir dann für den Pearl Kite und den Steller’s Jay verwenden, wird in diesem Jahr richtig gut werden. Zusammen haben wir beim Cuppen nach dem klassischen „Marcala“-Profil gesucht, dass sogar durch eine Herkunftsbezeichnung – der Denominación de Origen Café Marcala – geschützt ist. Wir hatten vieles zur Auswahl – die Frauen von Aprolma sind sehr erfahren mit ihren Kaffees und wissen, wie sie aus jedem Lot das Beste herausholen können. Letztendlich haben wir uns für einen Kaffee mit ganz viel Kakao, Karamell, schöner Honig-Süße und einer feinen Orangen-Säure entschieden. Doch bei so vielen guten Kaffees fällt die Auswahl wirklich schwer.

  1. Michael Hartmann
    | Antworten

    Hallo,
    ich habe schon öfter Kaffee aus der Frauenkooperative Marcala getrunken (übrigens echt leckerer Kaffee- besonders als Espresso im Siebträger), mich aber immer gefragt, was es mit diesem Projekt auf sich hat. Jetzt weiß ich es. Vielen Dank für den informativen Bericht. Das ermutigt mich, weiter diesen Kaffee zu trinken.

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