Klimawandel und Kaffee

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166 Liter Kaffe trinken wir pro Kopf und Jahr in Deutschland. Doch damit könnte es in nicht ganz so ferner Zukunft vorbei sein. Schuld ist der Klimawandel. In den kommenden Jahren können zahlreiche Flächen für den Anbau von Arabica wegfallen, es kann zu Einbußen in Qualität und Wegfall ganzer Varietäten kommen. Schon im Oktober 2019 wurde zu diesem Thema eine ausführliche Studie vom Columbia Center on Sustainable Investment veröffentlicht. Darin finden ich viele interessante, leider aber wenig optimistische Passagen zum Thema:

  • Wenn nicht gegengesteuert wird, haben wir bis zum Jahr 2050 eine Erderwärmung von 2,8°C in den Kaffeeregionen der Welt.
  • Bis zum Jahr 2050 werden so 75% der Flächen, die für den Anbau von Arabica geeignet sind, verschwinden.
  • Gleichzeitig wird die internationale Nachfrage um 26% steigen (bis 2030).
  • Die Produktion wird sich auf große Anbauländer und Produzenten konzentrieren, was zu weniger Varietät von Anbauländern, Qualitäten und Geschmäckern führt.

Schon eine Erderwärmung um wenige Grad gefährdet demnach die Anbaugebiete. Grund dafür: Kaffeepflanzen sind äußerst sensibel. Nur im feucht-warmen Klima rund um den Äquator wächst und gedeiht der Kaffee. Höhere Temperaturen führen zu Veränderungen im Klima und der Verschiebung der Regen- und Trockenperioden, was zu Ernteausfällen führen kann. Längere Trockenperioden und starke Stürme bedrohen zudem die Kaffeepflanzen. Um die Bodengesundheit und Bestäubung zu sichern, braucht es außerdem einer genügenden Biodiversität auf Kaffeefeldern – auch diese ist durch den Klimawandel in Gefahr.

Für Krankheiten und Schädlinge ist die Erderwärmung nämlich ein Segen. Sie gedeihen bei steigenden Temperaturen prächtig und werden immer mehr zum Problem. Eine Epidemie des Kaffeerosts („la roya“) zum Beispiel hat in den letzten Jahren die Kaffeeernten in Mittelamerika stark geschwächt. Der Pilz macht die Pflanzen krank. Erst fallen die Blätter ab, danach sind die empfindlichen Früchte schutzlos der Sonne ausgesetzt. Am Ende sterben ganze Kaffeefelder ab.

Doch nicht nur Studien weisen auf die Folgen des Klimawandels hin. Auch auf unseren jährlichen Kooperativenbesuchen können wir die Folgen ganz deutlich sehen: bspw. regnet es zu unüblichen Zeiten und es wird schwieriger den Kaffee zu trocknen. Oder es gibt Frost in den höheren Lagen und die Kaffeepflanzen erfrieren. Manchmal gibt es den Effekt, dass zu viel Wald gerodet wurde und die Kaffeepflanzen vom nun ungehinderten Wind geschädigt werden können – abgesehen vom verstärkten Auftreten von Hurricans in der Karibik.

Schon mit den großen roya-Krisen sind die ProduzentInnen unter Druck geraten ihre Anbaumethoden zu verändern. Und mit dem Voranschreiten des Klimawandels werden sich noch mehr Schädlinge verbreiten, die Kosten werden steigen und die Erträge schrumpfen. Hier sind die ProduzentInnen und ihre Kooperativen sehr gefordert in der Wissensvermittlung zu Bewässerung, Bodenverbesserung und biologischer Schädlingsbekämpfung. Das kostet Zeit und Geld, weshalb wir auch mit unserem Roasters-United-Netzwerk zahlreiche Projekte in diesem Bereich unterstützen.

Zusammen mit der Preis-Krise im Kaffeesektor stehen alle KaffeeproduzentInnen weltweit vor enormen Herausforderungen und nicht wenige werden den Anbau in den kommenden Jahren aufgeben müssen. Die ProduzentInnen sind das verletzlichste Glied in der Kette, am stärksten betroffen von niedrigen Preisen, mangelnden Ressourcen und den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels.

 

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