Ein guter Tag zum Rösten

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Es ist noch früh und kalt – der Winter ist doch noch in Berlin eingekehrt – und noch fällt trübes Licht von draußen in die Rösterei. Wir sehen unseren Atem und warten darauf, dass die Espressomaschine heiß wird. Mit einem dumpfen Geräusch springt der Gasbrenner des Rösters wieder an. Er läuft jetzt seit rund 10 min. und pendelt um die 195 °C. Langsam gibt er Wärme in die Rösterei ab und Olli schmeißt auch noch ein paar Holzscheite in unseren Ofen. Mühsam steigt das Thermometer über die magischen 10 °C und wir können den ersten Kaffee kaum erwarten. Der Röster läuft jetzt seit rund 14 Minuten und mein ausgereifter „Eine Hand an der Seite des Rösters“ Test sagt mir, dass er noch gut 15 Minuten brauchen wird, bevor wir anfangen können.

 

Espresso und Cappuccino

Wir überlegen, womit wir in den Tag starten – es ist noch kalt, draußen ist Winter und heute ist Montag – das schreit förmlich nach einem Nightingale und Olli befüllt die Mühle. Während Nadine und ich mit einem Cappuccino anfangen wollen, braucht Olli erst mal einen Espresso. Zähflüssig wie Öl fließen die ersten beiden Shots in die Tasse und der dritte sieht ebenso wunderbar aus. Während Olli die Milch schäumt, teste ich nochmal den Röster. Nadine hat schon alles für die Etikettierung und die Abfüllung bereit gelegt und ist schon dabei einige E-Mails zu beantworten und die Bestellungen durchzugehen.

Der erste Schluck Nightingale entschädigt für die Kälte und den frühen Montag. Samtig, schokoladig und mit dieser wunderbaren leichten Fruchtnote vom Honduras natural wissen wir alle sofort wieder, warum wir das hier machen.

Mein erneuter Einhandtest sagt mir, der Röster ist fast soweit und wir fangen an den Rohkaffee für die ersten Chargen abzuwiegen. Vor allem die Naturals aus Honduras und Äthiopien haben es mir angetan. Man kann die Fruchtnoten schon im Rohkaffee riechen.

Den Anfang macht heute der Ecuador von der Kooperative Acrim als Steller’s Jay, also unsere helle Kaffeeröstung, die ich meistens morgens zum Frühstück trinke. Ich liebe es, wie sich die fruchtig herben Mandarinen- und Grapefruit-Aromen mit den nussigen Röstaromen verbinden.

 

Kaffeerösten

Ich fülle den Rohkaffee ein und Olli überprüft noch mal unsere Startparameter. Dann warten wir, dass der Brenner wieder anspringt und jetzt geht es los. Ich lasse den Rohkaffee in die Trommel und Olli startet die Software für die Röstersteuerung und zur Sicherheit auch die Stoppuhr – wir trauen der Technik noch nicht ganz.

Erst mal fahren wir den Brenner ganz runter und gehen nach 30 Sekunden mit 90 % Brennerleistung sogar etwa höher als sonst beim Steller’s Jay üblich. Der Röster ist bei der ersten Röstung noch nicht 100 % auf Temperatur und auch die Bohnen sind jetzt im Winter sehr kalt, so dass wir etwas mehr Anschub brauchen. Also jagen wir ihn mit 90 % Brennerleistung erst mal durch den Turningpoint. So bei 145 °C stellt Olli den Lüfter ein ganzes Stück höher und regelt den Brenner langsam runter, allerdings deutlich langsamer als z.B. bei der Espressoröstung vom Acrim, dem Pearl Kite. Nach einigen Proberöstungen sind wir uns jetzt sicher, den Steller’s Jay rösten wir recht schnell und heiß und so erreichen wir den 1. Crack schon bei 10:30 Minuten. Die ROR sieht sehr schön abfallend aus und liegt am Ende noch bei über 3 °C. Mit dem letzten Knacken der Bohnen holen wir ihn diesmal 10 Sekunden später bei 12:35 Minuten, um dem etwas tiefer liegenden Turningpoint und dem noch etwas kalten Röster Rechnung zu tragen. Ich starte das Kühlsieb und drehe den Lüfter hoch, während Olli die Klappe aufmacht. Der heiße, dampfende Kaffee ergießt sich ins Kühlsieb und man spürt, wie der Lüfter die kalte Luft ansaugt.

Es ist Montagmorgen, es ist immer noch kalt und draußen ist Winter. Aber wir sind uns alle einig: wir sind gerade genau am richtigen Ort.

Ein guter Tag zum Rösten!

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