Einmal im Jahr…

eingetragen in: Honduras, Kaffee-Reisen, Roasters United | 0

… werden alle Kaffee-Kooperativen in unserem Roasters-United-Netzwerk persönlich besucht. Für mich ging es in der vergangenen Woche wieder nach Honduras. In diesem Jahr waren die Reisevorbereitungen aufgrund der politischen Situation etwas aufregender als sonst: zum ersten Mal hatte ich auch eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen. Bei den Wahlen Ende November kam es zu undurchsichtigen Vorgängen und die „Opposition“ ging mit dem Vorfwurf des Wahlbetrugs auf die Barrikaden. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte, Straßen wurden gespeert und auch der Flughafen. Immer wieder habe ich unsere Freunde vor Ort gefragt, doch bis zuletzt wusste ich nicht ganz genau, was mich erwartet.

Als ich dann am Montag vergangener Woche von Walter (Manager von Aprolma) am Flughafen abgeholt wurde, war ich sehr erleichtert: die Situation hat sich bis auf einige Demonstrationen beruhigt und wir konnten alle Straßen sicher passieren. Sicherheit in Honduras bemisst sich allerdings mit anderen Maßstäben, denn Honduras ist ohnehin ein armes Land mit viel Gewalt.

Vom Flughafen in Tegucigalpa bis nach Marcala sind es ca. 2,5 Stunden Fahrt. In Marcala haben zahlreiche Kaffeeproduzenten ihren Sitz und auch alle drei Kooperativen, die ich besuchen wollte. In Marcala war es, wie auch im vergangenen Jahr, ruhig und die Situation entspannt. Die Ernte läuft auf Hochtouren und da bleibt ohnehin keine Zeit für andere Dinge.

 

Frauenkooperative Aprolma

Die ersten beiden Tage habe ich mit Aprolma verbracht, einer Kooperative, in der ausschließlich Frauen organisiert sind. Da ich bei dieser Reise ganz auf mich gestellt war, hatte ich natürlich viel zu tun mit Fragen stellen, Fragen beantworten, Fotos und Notizen machen. Gefreut habe ich mich über die gute Beteiligung beim Treffen mit dem Vorstand, den dazu waren deutlich mehr Frauen anwesend, als noch im vergangenen Jahr. Da wir in diesem Jahr sogar zweimal gecuppt – also Kaffee probiert – haben, hatten wir genug Gelegenheit zu besprechen, wie genau das Tassenprofil für uns aussehen soll.

Aprolma macht bis zu zehn Container pro Jahr und arbeitet in 3 verschiedenen Regionen, in denen der Kaffee durchaus unterschiedlich schmeckt. So gibt es durchaus ein bisschen Auswahl, wie unser Lot zusammengestellt wird. Ein großer Vorteil des direkten Handels: Wir arbeiten gemeinsam an der Qualitätsentwicklung und haben einen Einfluss darauf, was in unseren Tassen landet.

Sehr gute Neuigkeiten gab es im Bereich der Infrastruktur: Mit Roasters United haben wir für die Kooperative zwei große Trockenzelte finanziert. Diese sind nun fast fertig und können dann für den Rest der Ernte verwendet werden. Außerdem konnten die Frauen ein Gebäude für die dry mill (Weiterverarbeitung des Rohkaffees) und ein Gebäude für Lager und Büro erwerben.

 

Combrifol

Den Kaffee von Combrifol verwenden wir nun schon im dritten Jahr und im vergangenem Jahr haben wir die Kooperative endlich persönlich kennengelernt und direkt importiert. Manchmal brauchen gute Beziehungen ja eine längere Zeit und man geht ein Stück des Weges, bis Absprachen klappen, bis Vertrauen etabliert ist und bis man zusammen gute Ergebnisse erzielt. Combrifol hat das alles innerhalb einen Jahres gemacht – was hier passiert ist und eigens für unseren Import geschaffen wurde, hat mich sprachlos gemacht. Ich will an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten, aber von der Combrifol ist sicherlich noch einiges zu erwarten.

Auch die Finca-Besuche bei den Mitgliedern waren wieder ein Erlebnis mit Combrifol. Diesesmal sind wir für viele Stunden in den Bergen Marcalas‘ gewesen und haben insgesamt vier ProduzentInnen besucht. Wir haben Zuckerrohrsaft mit Zitrone getrunken, selbstgemachten Honig probiert, einen Wasserfall im Kaffeefeld gesehen und leider einen Hund überfahren (aus Versehen).  Erst als es dunkel wurde, haben wir uns auf den Weg zurück gemacht.

 

Comsa

Die letzten Tage in Honduras habe ich mit unseren langjährigen Freunden von der Comsa verbracht. Einige kennt ihr vielleicht auch persönlich, denn wir hatten schon öfters Besuch von ihnen in Berlin. Die Comsa kommt einem manchmal vor, wie von einem anderen Planeten, gerade wenn man sich die Situation im Rest des Landes anschaut. Die Comsa ist nicht nur in der Kaffeequalität hervorragend, sie revolutioniert mit ihren Projekten auch den sozialen und ökologischen Bereich: Es gibt eine eigene Schule mit Montessori-Pädagogik, eine biodynamische Modell-Finca, Anstrengungen Marcala zur „fairtrade city“ zu machen und geplant ist nun eine eigene Müllrecycling-Anlage, die ganz Marcala mit Strom versorgen soll. Über die Comsa gibt es auch einen sehr schönen Film.

 

 

Wenn ihr mal wissen möchtet, wie so ein typischer Tag auf Kaffeereise aussieht: Ich habe mal einen Tag in Peru genau protokolliert.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.